E-Auto + Wärmepumpe = Lastspitzen-Falle? So vermeiden Sie 21 % höhere Netzkosten ab 2027

Ein E-Auto vor der Tür, eine Wärmepumpe im Keller – wer so fährt und heizt, hat vieles richtig gemacht: weg von Öl und Benzin, hin zu effizienter Elektrifizierung. Doch ab 1. Jänner 2027 bekommt genau diese Kombination in Österreich einen neuen Kostenfaktor: Die Netzkosten ab 2027 richten sich auch nach Ihrer höchsten Viertelstunden-Leistung im Monat – dem sogenannten Leistungspreis. Was die Reform grundsätzlich bedeutet, lesen Sie in unserem Beitrag „Netzentgelte neu ab 2027“. Heute geht es um die konkrete Frage: Tappen E-Auto- und Wärmepumpen-Haushalte in die Lastspitzen-Falle – und wie kommen Sie elegant wieder heraus?
Was die E-Control vorrechnet
Die Regulierungsbehörde E-Control hat zur Vorstellung der Reform eigene Beispielrechnungen veröffentlicht. Rund 75 Prozent der Haushalte werden demnach künftig weniger für das Netz zahlen, kleine Haushalte sparen bis zu 31 Prozent. Auch ein Haushalt mit Wärmepumpe steigt laut E-Control gut aus: minus 12,4 Prozent Netzkosten.
Beim E-Auto entscheidet dagegen allein das Ladeverhalten: Wer ungesteuert an der 11-kW-Wallbox lädt, zahlt laut den E-Control-Beispielen um 21 Prozent mehr Netzkosten. Wer flexibel lädt – also mit reduzierter Leistung oder zeitversetzt –, spart hingegen 8,5 Prozent. Zwischen diesen beiden Szenarien liegt derselbe Haushalt, dasselbe Auto, dieselbe Wallbox.
Die Falle ist also weder das E-Auto noch die Wärmepumpe für sich. Die Falle ist die Gleichzeitigkeit: Wenn beide gemeinsam mit Herd und Backrohr in dieselbe Viertelstunde fallen, entsteht die teure Monatsspitze.
Ein Winterabend in Zahlen
18 Uhr an einem Jänner-Abend: Das E-Auto hängt mit 11 kW an der Wallbox, die Wärmepumpe heizt mit rund 2,5 kW nach, dazu laufen Herd und Backrohr. Am Netzanschluss stehen kurzzeitig um die 15 kW an – als Viertelstunden-Mittelwert bleibt davon schnell eine Monatsspitze von 12 kW übrig.
Nach den Richtwerten der Endausbaustufe aus dem Verordnungsentwurf der E-Control (33,82 Euro pro kW und Jahr bis 10 kW, 67,64 Euro je kW darüber) kostet diese 12-kW-Spitze rund 470 Euro Leistungspreis pro Jahr. Schon die Wallbox-Spitze allein – 11 kW – schlägt mit rund 405 Euro zu Buche. Wird die Spitze dagegen auf 5 kW gekappt, sinkt der Leistungspreis auf rund 170 Euro pro Jahr – rund 300 Euro Unterschied.
In der Startphase ab 2027 liegen die Sätze laut Entwurf noch deutlich niedriger (im Schnitt rund 19 Euro pro kW und Jahr, je nach Netzbereich etwa 15 bis 26 Euro) und steigen dann stufenweise bis zur Endausbaustufe.
Drei Wege aus der Falle
Erstens: gesteuert laden. Viele Wallboxen und Fahrzeuge lassen sich auf 4 bis 6 kW drosseln oder laden zeitversetzt in der Nacht, wenn Wärmepumpe und Küche Pause haben. Das E-Auto wird trotzdem voll – es dauert nur etwas länger. Genau dieses Verhalten belohnt die neue Tarifstruktur mit den erwähnten minus 8,5 Prozent.
Zweitens: Verbraucher entzerren. Wer beim Kochen nicht gleichzeitig lädt und die Warmwasserbereitung der Wärmepumpe in die Mittagszeit legt, entschärft die Spitze ebenfalls. In der Praxis ist das allerdings mühsam – eine einzige vergessene Viertelstunde im Monat genügt, und die Spitze steht.
Drittens: automatisch kappen lassen. Ein Batteriespeicher mit intelligentem Hybridwechselrichter – etwa die GoodWe-Systeme, die wir verbauen – beherrscht Peak Shaving: Droht der Netzbezug eine eingestellte Grenze zu überschreiten, liefert der Speicher die Differenz. Das E-Auto lädt mit voller Leistung, die Wärmepumpe läuft, gekocht wird auch – das Netz sieht trotzdem nur geglättete 5 kW. Sie müssen an Ihrem Alltag nichts ändern. Wie sich das mit der Ersparnis durch Eigenverbrauch zu rund 1.900 Euro pro Jahr summiert, zeigt unsere Beispielrechnung für einen 10.000-kWh-Haushalt.
Netzkosten ab 2027: Was heißt das für Ihre Planung?
Wenn in Ihrem Haus E-Auto und Wärmepumpe zusammenkommen – oder demnächst zusammenkommen sollen –, lohnt es sich, die PV-Anlage gleich mit Speicher und Lastspitzenkappung zu denken. Eine typische 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher kostet bei uns aktuell oft rund 15.000 bis 16.000 Euro schlüsselfertig; dazu sind häufig Förderungen von rund 3.100 Euro möglich.
Ihre persönliche Ausgangslage steht übrigens schon in Ihrem Smart-Meter-Portal: Dort finden Sie Ihre höchste Viertelstunde des Monats. Schicken Sie uns den Wert – wir rechnen kostenlos und unverbindlich aus, was er ab 2027 kosten würde und wie viel gesteuertes Laden plus Speicher bei Ihnen konkret bringen.
Hinweis: Die genannten Leistungspreise sind Richtwerte aus dem Verordnungsentwurf der E-Control zur neuen Netzentgeltstruktur (Begutachtung Juli 2026); die verbindliche Tarifverordnung wird gegen Ende 2026 erwartet. Die Prozentwerte (+21 %, −8,5 %, −12,4 %, −31 %, 75 %) stammen aus den Beispielrechnungen der E-Control zur Vorstellung der Reform (Juli 2026, u. a. berichtet vom ORF). Beispielrechnung mit Annahmen: Monatsspitze 12 kW ohne bzw. 5 kW mit Kappung, gleichbleibend über zwölf Monate. Preise und Förderungen: Stand August 2026, abhängig von Dach, Elektrik und Förderprogramm.




